Donnerstag, 28. August 2008

Und Thomas Klingenmaier

lobt in der Stuttgarter Zeitung Krimigroßmeister Donald E. Westlake alias Richard Stark, aber nicht online, bzw. nur für die Abonnenten. Donald Westlake begann im Tempo der alten Pulpmeister Buch um Buch zu schreiben, brachte aber auf wunderliche Weise einen Kurzschluss von Masse und Klasse zustande. Je mehr er schrieb, desto besser wurde er. Je besser er wurde, desto mehr Einfälle kamen ihm. Und dann meldet er noch: Am 10. November wird Donald E. Westlake nach Stuttgart kommen. Gut geht es den Schwaben.

Eine alligatorische Meldung:

Der Mannheimer Morgen erzählt von Walter Landin und seinem Kurpfalzkrimi "Mannheimer Karussell", das sich durch jede Menge Alkohol und einen ziemlich heftigen Korruptionsskandal zu drehen beginnt und bei einem Mord nicht stehen bleibt. Aber dann sagt er auch: Eine ziemlich spannende Geschichte nimmt ihren Lauf. Und dann denke ich: Ziemlich spannend. Aha.

Mittwoch, 27. August 2008

Konfuzius sagt:

Unwissenheit ist die Nacht des Geistes, eine Nacht ohne Mond und Sterne. (Hab' ich gerade gelesen.)

Dienstag, 26. August 2008

Ah!

Der Alligator erinnert an John Buchan. Schön. Haben mir sehr gefallen, seine Bücher, immer wieder.

Albertsen

ist wieder da. Und wie. Ratzfatz, drei vier Krimis rezensiert. Holla!

Montag, 25. August 2008

Noch ein Kuckart-

Zitat: Glück bemerkte Robert immer erst in der Zeit nach dem Glück, als Mangel. Er war zu langsam für die großen Gefühle. Genau im Hier und jetzt zu sein, das war für Robert Mandt immer eine Geschwindigkeitsüberschreitung gewesen.

Bei Grafit

kann man nach den Autoren suchen, z.B. nach Lucie Klassen. Aber meint ihr, dass man von der Autorin dann auf ihre Bücher kommt? Nö. Das dann doch nicht. Ts.

Ulrich Kroeger

bespricht Lucie Klassens Der 13. Brief und findet ihn ganz toll. Was ja eigentlich gar nicht geht, weil wir ja schon bewiesen haben, dass er so toll nicht ist. Und dass er Bielefeld mit Münster verwechselt, stimmt mich ja auch schon misstrauisch. Schon das Setting hat es in sich, meint er.

Sonntag, 24. August 2008

Arno-Schmidt-Fans

wird's freuen. 2001 setzt die Reihe der Haidnischen Alterthümer fort. Zum 250. Geburtstag von August Lafontaine (nicht aus dem Saarland), der der populärste Autor der Goethezeit war, erscheint Quinctus Heymeran von Flaming in zwei Bänden.

Aus der Werbung: Das Werk erzählt die satirische Lebens-, Leidens- und Liebesgeschichte eines adelsstolzen, dabei herzensguten Toren, der jeder neuen Theorie, jeder Pseudowissenschaft mit eben so viel Eifer wie Narrheit anhängt: Flaming begeistert sich abwechselnd für Lavaters Physiognomik und Galls Craniologie, für Rousseaus "Émile" und "Nouvelle Heloise" ebenso wie für Kants Philosophie oder für die gerade aufkommende Luftschifferei der Brüder Montgolfier und die Französische Revolution. Vor allem aber wird er ein übereifriger Parteigänger des Göttinger Professors Meiners, der die Überlegenheit der keltischen Rasse postuliert: blond, blauäugig, zum Führen geboren. Lafontaine lässt diesen "Prä=Arier=Fanatismus" (Arno Schmidt) am unvernünftigsten Vernunftmittel zerschellen: Der frühe Rassist verfällt einer dunkelhäutigen Schönen.

1254 Seiten. Wohl bekomm's. Viele, ja die meisten der anderen Heidnischen Alterthümer waren von einer gähnenden Langeweile.

In London

wird Ezra Pounds Ankunft in London vor 100 Jahren gefeiert. Zum Beispiel am 17. November in der Poetry Library, wo Gedichte gelesen werden. Nett finde ich den Zusatz optional dress code: 1910s Pound style. Und nach der Lesung gibt es Pound-themed snacks and wine. Was das wohl ist? Imagistischer Blätterteig, Usura-Kekse, St.-Elizabeth-Crackers und Pisaner Wein?

Freitag, 22. August 2008

Poetisch und mystisch

ist übrigens dasselbe. Merke ich gerade beim Lesen von Kuckarts Roman. Realistisch und verträumt. Wenn man es kann. Kuckart kann es.

Noch mal Kuckart.

Ein schönes Zitat von ziemlich am Schluss: ... die Tatsache, dass sie vielleicht fünf Mal aus dem Dunkeln auf ihn geschossen hatte, war ein Kavaliersdelikt, gemessen an dem, was sie in seinem Kopf und seinem Herzen angerichtet hatte. So ist die Liebe, gell?

Und eines meiner Lieblingsblogs

hat zugemacht, fürchte ich. Mit einer bitteren Abschiedsbotschaft. Ciao, hermetischer Cafétier. Und wo soll ich jetzt caffè trinken gehen?

Ein völlig aus dem Zusammenhang gerissenes

und wunderschönes Zitat aus einem Interview mit Jan Costin Wagner, das mir der Alligator verlinkte:

BUCHKULTUR: Sie schreiben Krimis, und Sie streiten es nicht ab, dass Sie Krimis schreiben …

Wagner: (Lacht)

BUCHKULTUR: Sie sagen, ja, ich benutze dieses Genre, allerdings interessieren Sie auch noch andere Dinge: Was es an Ängsten gibt, an Brüchen, an Lebensentwürfen, darauf legen Sie Ihren Fokus. Wenn irgendwo etwas Abgründiges zu finden ist, dann versuchen Sie es unterzubringen.

Wagner: (Lacht)


Gute Antworten, Herr Wagner. Das meine ich jetzt gar nicht ironisch, denn auf so doofe Fragen kann man nur mit Lachen antworten. Gut gemacht. Lob.

Christine Lehmanns

Essay über den Regionalkrimi ist mir zu platt. Sie postuliert mir etwas zu munter und zu undifferenziert drauflos: Der Regionalkrimiautor betrachtet genauso misstrauisch und verständnislos wie seine Leser die globalen Finanzmärkte und lokalen Schildbürgerstreiche. Und er schwankt wie sie zwischen Verschwörungstheorie und Verdauungsstörungen nach dem Genuss von Kässpatzen. Ja, ist das so?

Und zu den Lesern hat sie zu sagen: Der Krimi beruhigt sogar, denn er isoliert Gewalt und ordnet sie Personen zu, die man vernichten kann.

Weiters behauptet sie: Doch solange der Krimi nur die eine Seite der Gewalt anschwärzt, ist er unendlich naiv. Er handelt vom kindlich lauten Krieg der Rosen (Astrid Lindgren, 1907–2002, Kalle Blomquist lebt gefährlich, 1951). Weil es das Identifikationsangebot so will, sind die Weißen Rosen die Guten und die Roten Rosen die Bösen im Kampf um den Großmummerich. Und bei den Guten heiligt der Zweck durchaus die Mittel. Krimis bestätigen unseren Glauben, dass der Gewalt nur mit Gewalt beizukommen sei, im besten Fall mit staatlicher. Er stellt nicht die Denkmuster in Frage, die zu einer Gewalttat führen

Und das ist ihre Ausgangsthese: Der Krimi ist eine Gattung mit strengen Regeln, die inzwischen in Schreibwerkstätten gelehrt werden. Naja dann.

Donnerstag, 21. August 2008

Kuckart.

Die kann schreiben. Ihre Kommissarin Nico führt, wie ich schon erzählte, ein Blog. Sie schreibt auch Geschichten. Dass sie schrieb, hatte sie nicht nur dem Kommissariatsleiter, sondern auch den anderen Kollegen verdächtig gemacht. Sie erfand Geschichten, das war für einen Polizisten, dessen Beruf der Wahrheitsfindung dient, verhängnisvoll.

Auch nicht übel.

Unterirdischer Heimwehblues von den Roten Heißen Chilipfefferern. Fast so gut wie das Original. Ist das nicht eines der ersten Musikvideos überhaupt gewesen (Dylanologen, heran!). Und immer noch eines der Besten.

Gerade empfiehlt mir Petra

Bücher von Stuart MacBride, der wohl auch ein Blog hat...

Wo bleiben eigentlich

die ganzen Rezensionen und Blogeinträge zu dprs "Menschenfreunde"? Hä?

Mit dem Alligator

habe ich kein Glück. Jetzt habe ich das Wort Krimi in meinen letzten beiden Beiträgen extra gefettet, und er behauptet schon wieder, ich pausierte. Und auch Anobella. Wo die doch gestern im (wechselnden) Sub-Header (!) klargestellt hat, dass sie überhaupt höchstselbst ein Beitrag zur Kriminalliteratur sei. Und deswegen, so folgere ich, immer vom Alligator gelobt sein müsse.

Böse, wie das Leben mit uns spielt.

Vor dem Vergessen bewahren

will eine neue Buchreihe, in der hoffentlich auch mal ein Krimi erscheinen wird. Jedenfalls meldet dpa via Mannheimer Morgen: Mit einer neuen Editionsreihe sollen literarische Texte vor dem Vergessen gerettet werden. Wie die Kooperationspartner Wüstenrot Stiftung (Ludwigsburg) und Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung (Darmstadt) jetzt berichteten, werden vom März 2009 an im Wallstein Verlag Werke des 18. bis 20. Jahrhunderts veröffentlicht, die "aus dem kulturellen Gedächtnis zu fallen drohen".

Ein zeitgenössischer Schriftsteller werde jeweils die "Patenschaft" für ein Werk der Reihe übernehmen und in einem einführenden Essay die Bedeutung der Textes erläutern sowie ihn bei einer Lesereise der Öffentlichkeit vorstellen. Die Stiftung habe die erforderlichen Mittel zunächst für fünf Jahre bereitgestellt. Die Editionsreihe beginnt mit Peter Altenbergs (1859-1919) "Das Buch der Bücher". Die Patenschaft hierfür übernimmt Wilhelm Genazino.

Folgen soll eine kritische kommentierte Studienausgabe der "Ausgewählten Werke in drei Bänden" von Adolph v. Knigge (1752-1796). Die Patenschaft liegt bei Sibylle Lewitscharoff. Schließlich sollen Gedichte von Oskar Loerke (1884-1941) wiederveröffentlicht werden, unter der Patenschaft von Lutz Seiler. Nach Ansicht der Initiatoren bewirken die Veränderungen des Buchmarktes wie Konzentrationsprozesse im Verlagswesen oder der "enorme Rentabilitätsdruck bei der Programmplanung", dass immer mehr herausragende Werke aus dem Sortiment verschwinden.

Die Longlist

für den Deutschen Buchpreis ist jetzt bekanntgegeben worden. Seltsame Liste, wie immer. Handke! Martin Walsers unsäglicher Goethe-Mist! Dietmar Dath! Kein Rudolph! Ich fass' es nicht. Überhaupt: Außer Kuckart kein Krimi!

Frau Hartwig von der FR meint dazu: Die Longlist des Jahres 2008 wirkt insgesamt grundsolide - was automatisch dazu führt, dass die siebenköpfige Jury, da sind Geschmacksunterschiede ja unvermeidlich, nach außen hin einig wirkt. Und das ist gut - für den Preis und fürs Klima ohnehin. Naja. Ich hätte etwas mehr Experimentierfreude schöner gefunden. Qualität auszuzeichnen statt Einigkeit zu demonstrieren, das wäre für mich der Leitspruch gewesen.

Dienstag, 19. August 2008

Putzig,

die Süddeutsche Zeitung. Sie verweist auf George Orwells "Blog", sein Tagebuch, das, wie ich auch schon mal schrieb, jetzt auch im Netz Tag für Tag nachzulesen ist, wie ein Blog, mit den Worten: Orwell wurde im Spanischen Bürgerkrieg verwundet, kuriert sich in Marokko aus, kehrt dann ins englische Landleben zurück; alles eher ruhige Themen.

So, so. Der Spanische Bürgerkrieg ist ein ruhiges Thema? Eine Verwundung? Hm, hm. Ja, ja, für die Süddeutsche sind das alles äußerst ruhige Themen.

Und ich habe

nicht so arg viel Lust, weiterzulesen, wenn auf den ersten Seiten solche Sätze kommen: Die Wanne fülle sich, bis die Wasseroberfläche sich wölbte und ein weiterer Pionier unter den Wassertropfen den Sprung ins Unbekannte wagte... - Die Tropfen hielten Ordnung. Die erste fiel ins Ungewisse. Zögernd folgte der nächste. Ihm folgten die anderen, immer schneller, wie die Lemminge, die dem Abgrund zuströmten. - Die Hauptperson hört ein Geräusch: Für eine Schrecksekunde bildete sie sich ein, es entsteht in ihrem Kopf, dehne sich aus, dränge heraus, sprenge ihren Schädel.

Für mich ist das alles so gefühlig ungenau geschrieben, so umständlich bedeutungsträchtig, so gewollt sinnbeladen, stilistisch derart überladen und gedankenschwer belastet, dass ich einfach keine Lust mehr habe. Dann stimmt es nämlich nicht mehr. Dann sind die Sätze nämlich falsch. Dann schrammen sie mir zu sehr am überladenen Kitsch entlang. Und wenn ich dann das Gefühl habe, dass das der durchgehende Stil der Autorin ist, will ich nicht mehr, weil ich genau weiß, dass ich es wirklich nicht lange aushalten werde. Und so viel Lebenszeit habe ich nicht, dass ich auch noch Bücher lese, die ich nicht mag.

Auch das wieder eine Kurzrezension. Diesmal: Anne Chaplet: Schrei nach Stille. Tut mir leid, dpr. Aber zur Sprache selbst hattest du ja gar nichts geschrieben. Und ich bin da eben sehr empfindlich.

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Eigentlich
signalisiert einem ja alles, dass man nix weiß....
Giorgione - 27. Aug, 09:30
wobei aber eigentlich...
dass man nix weiß, sondern nur so in seinem eckchen...
Anobella - 27. Aug, 09:28
Danke :-) In Spanien...
Danke :-) In Spanien war ich im übrigen NICHT...
albertsen - 26. Aug, 10:03
Muss.
Darf. Kann. Soll. Ich find's schön.
Giorgione - 26. Aug, 08:21
Muss ja, nicht?
Muss ja, nicht?
albertsen - 26. Aug, 08:06
Ja,
teuer. Aber umsonst ist ja nur der Tod - und der kostet...
Giorgione - 25. Aug, 23:35
Weder
noch. Obwohl - wer weiß...
Giorgione - 25. Aug, 23:33
Ganz
ausgezeichnet versteckt. Herzlichen Glückwunsch...
Giorgione - 25. Aug, 23:31

Lesebefehl (-empfehlung)

Vladimir Nabokov: Fahles Feuer. Rowohlt Verlag. Werke Bd.10 --------------------------------------------- Judith Kuckart: Die Verdächtige. Dumont (erst ab Ende August lieferbar) --------------------------------------------- Schreibheft 69: Ezra Pound im St. Elizabeth's Hospital für kriminelle Geisteskranke. --------------------------------------------- John Berger: Mit Hoffnung zwischen den Zähnen. Wagenbach Verlag --------------------------------------------- Dieter Paul & Rudolf: Menschenfreunde. Shayol Verlag --------------------------------------------- Watching the detectives. Die Krimzeitschrift als pdf. 2 Ausgaben sind "lieferbar"

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